[Rezension] Ich bin leider tot und kann heute nicht in die Schule kommen - Sara Ohlsson


Einzelband ○ Taschenbuch 11,99€ ○ Carlsen Verlag ○ 304 Seiten

... oder das Tagebuch eines sehr sehr selbstmitleidigen Mädchens.



John hat Schluss gemacht, einfach so! Doch wie soll Olivia ohne ihn überleben? Wer ist sie ohne John, ohne ihre perfekte Beziehung? So einfach gibt sie sich nicht geschlagen. Und so gründet sie die "Operation Vogelkacke": John zurückzuerobern, das ist das Ziel. Doch so leicht ist das alles nicht, wenn man ständig von anderen abgelenkt wird, wie zum Beispiel von Danijel, bei dem man gar nicht anders kann als zu denken: Sexy, toll! Nicht so wie John, überhaupt nicht so perfekt. Aber o Mann, so sexy! ... Kann das Leben wirklich so einfach sein, wie Danijel sagt? Dass man lachen soll, wenn man glücklich ist, schreien, wenn man wütend ist und mit jemandem schlafen, wenn man es gerade will?



Bis heute habe ich noch keine andere Meinung über dieses Buch mit dem seltsam langen Titel gelesen oder gehört, sodass ich mir wirklich vollkommen vorurteilsfrei eine Meinung bilden konnte. 
Leider hat mich das auch nicht davor bewahrt, ziemlich enttäuscht zu werden.

In Ich bin leider tot geht es um die 17-Jährige Olivia, die, wie es ihr scheint, aus heiterem Himmel von ihrem ach so perfekten Freund John verlassen wird. Natürlich ist sie nach den 3 Jahren Beziehung, die die beiden hatten, am Boden zerstört und glaubt nicht, dass sie jemals ohne John weiterleben könnte.
Und natürlich wollen die beiden auch noch -ganz nach Klischee- Freunde bleiben.

Das ganze Buch ist wie eine Art Tagebuch gestaltet, so dass es teilweise auch nur ganz kurze Einträge/Texte gibt und der größte Teil der restlichen Seite leer ist. So sind die angegebenen 304 Seiten also eine kleine Mogelpackung und würde zusammengekürzt wohl auf vielleicht knapp 200 kommen.
Finde ich vom Ding her nicht schlimm, wobei es teilweise ein wenig anstrengend ist, Olivias Gedankensprüngen zu folgen, welche teilweise auch noch Rückblicke in die Vergangenheit enthalten. 
Der Schreibstil an sich liest sich sonst jedoch recht flüssig. 
Was sprachlich noch auffällt, sind die Vielzahl an Kraftausdrücken, die ich bei einem Jugendbuch mit der Aufmachung wirklich nicht erwartet hätte.

Die Geschichte an sich lässt sich eigentlich in wenigen kurzen Sätzen zusammenfassen:
(SPOILER)
Olivia ist traurig weil John weg ist. Olivia textet John zu. John will sie nicht mehr. Olivia lenkt sich mit anderem Typen hat, den sie erst total eklig fand, dann auf einmal sexy. Der Typ will Olivia aber auch nicht als Freundin. Olivia stellt fest, das sie ohne Sex ABSOLUT nicht leben kann.Olivia lenkt sich mit NOCH einem anderen Typen ab. Nach sage und schreibe 48 Stunden Beziehung mit diesem Kerl sagt John einmal hopp (er hat Bock auf Sex) und Olivia springt. Verarscht, John will sie doch nicht. Olivia ist wieder traurig und ohne Freund. Olivia mutiert zum Flittchen, hat tausend Kerle und wird dann auch noch quasi zum Alki, weil nur der Alkohol ihr Mut gibt. Sie findet das alles super so und nun endlich ist sie stark und selbstbewusst, Ende. 

Ist das nicht eine suuuper Geschichte...
Letztendlich war ich froh, dass das Buch nur so kurze Seiten hatte.

Olivia ist für mich einer der schwachsten Protagonisten, die mir bisher untergekommen sind. 
Sie stimmt allem zu, lässt sich von jedem Typen ausnutzen, nur um danach wieder heulend allein zu Hause zu sitzen. 
Sie hat so Pseudo "Helden" Momente (spuckt einem Typen ins Gesicht, nur weil er sie in der Disco angebaggert hat), benutzt SEHR merkwürdige Jugendsprache (ich sag nur 'dissen') und ist für mich im Allgemeinen eher ein Flittchen, als eine starke Frauenpersönlichkeit die "weiß was sie will". 
Danijel, der im Klappentext beschriebene Love Interest (einer von vielen in Wirklichkeit), wird zu Anfang des Buches wirklich als eklig, gemein und fies beschrieben. Zudem ist allgemein in der Schule bekannt, dass dieser sich durch die Gegend schläft. Normalerweise haben die 'Bad Boys' in Büchern ja dann doch noch eine gute Seite, die sie dann nur der Prota zeigen, weil sie doch die Einzige ist die ihn versteht blabla... Nope, Danijel nicht. Der ist einfach die ganze Zeit weiterhin ein richtiges Arschloch :D

Das Ende der Geschichte fand ich ziemlich dürftig und ich schätze mal, es sollte zeigen, wie sehr sich Olivia doch weiterentwickelt hat, aber für mich wurde wieder mal nur da gestellt, wie nachgiebig und willenlos sie doch eigentlich ist. Jaja, wer will schon eine starke Heldin als Prota, wenn er auch Olivia "Kautschuk" Ljunggren haben kann...


Eine Geschichte über Trennung, die einen zu Beginn noch traurig stimmt, einen mit der Zeit aber nur noch genervt aufstöhnen lässt, wenn die Protagonistin wieder mal Rückfall ala Ich-vermisse-ihn-so-sehr-ich-kann-nicht-ohne-ihn hat. 
Das Thema sollte wohl starke Frauen und Selbstbewusstsein sein, wurde aber mit diesem Hauptcharakter leider völlig verfehlt. 
Die Aufmachung deutet auf eine viel jüngere Zielgruppe hin, aber aufgrund der vielen (teilweise ziemlich heftigen) Kraftausdrücke und des quasi pausenlos thematisierten Themas Sex, würde ich das Buch erst ab 15 oder 16 empfehlen. 


 2/5


... an den Carlsen Verlag und Buchbotschafter!

Kommentare:

  1. Ich stimme dir voll und ganz zu. Anfangs dachte ich noch, es wäre ein richtig süsses Contemporary-Buch, und dass Olivia eine starke Protagonistin wäre. Danach habe ich noch gehofft, es wäre mindestens so eine 08/15 "Bad-Boy loves God-Girl"-Geschichte.

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    1. Genau darauf hatte ich auch gehofft! Schade das es sich dann doch so anders entwickelt hat...

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