[Rezension] Ich.Bin.So.Glücklich - Jessica Knoll



Einzelband ○ Gebunden 14,99€ ○ Egmont Ink ○ 416 Seiten


 

Ani FaNelli lebt das perfekte Leben: Sie hat einen glamourösen Job beim angesehensten Modemagazin der USA, wohnt in einem hippen Penthouse in Uptown New York, trägt die neueste Designerkleidung und wird schon sehr bald ihrem adeligen Verlobten auf einer sündhaft teuren Hochzeitsfeier das Jawort geben. Ani FaNelli ist so glücklich. Doch Ani FaNelli hat auch ein Geheimnis, das sie seit ihrer Jugend verfolgt. Ein dunkles, brutales Geheimnis, das sie nun eingeholt hat und droht, ihr Bilderbuchleben für immer zu zerstören …




Aufmerksam gemacht auf das Buch hat mich vor allem das hübsche Cover, das sich ganz samtig anfasst und aus dem die Details, wie Schrift und Rose, hervortreten.
Der Klappentext klang interessant, aber ich konnte mir nicht wirklich etwas darunter vorstellen. 
Generell gebe ich eigentlich jedem Buch die Chance, mich von sich zu überzeugen. Gesagt, getan, Ich.Bin.So.Glücklich ist also bei mir eingezogen.

Als erstes habe ich auf der inneren Klappe gelesen, dass dieses Buch für Fans von Gone Girl absolut empfohlen wird, was meiner Vorfreude leider einen kleinen Dämpfer verpasst hat.
Gone Girl wollte mir damals leider so gar nicht gefallen, was vor allem an der furchtbaren weiblichen Protagonistin lag, die einfach nur alle anderen (aber vor allen ihren Mann) in der Geschichte terrorisiert hat. 

Was soll ich sagen...bei Ich.Bin.So.Glücklich erging es mir leider ähnlich.

Die Protagonistin Ani macht sich bereits in den ersten Sätzen äußerst unsympathisch, denn sie verhält sich arrogant und abschätzig ihren Mitmenschen gegenüber, hält sich generell für etwas Besseres, weil sie (bzw. ihr Verlobter) viel Geld hat, ist auch von sich selbst ziemlich überzeugt und benimmt sich im Allgemeinen einfach nur wie ein richtiges Biest.
Bereits nach den ersten paar Kapiteln war mir klar, dass bald ide Tränendrüsen-Hintergrund Story folgen muss, warum denn unsere Prota so unnahbar und biestig ist. 
Diese Handlung ließ allerdings noch einige Zeit auf sich warten... Erst einmal folgen wir seitenlang Anis Gesprächen und Gedanken über ihre offensichtlich anbahnende Magersucht (sie setzt sich als Idealgewicht 48kg und ist aber meines Wissens nach normal groß und auch aktuell normal schwer) und ihre ach so glamouröse Hochzeit.
 Die ganze Zeit habe ich mich gefragt, warum ist sie mit Luke, ihrem Verlobten überhaupt zusammenist, denn die ganze Zeit zieht sie über ihn her. Nur die Hochzeit an sich scheint wichtig zu sein. Achja, und dass der Mann Geld hat natürlich.

Irgendwann nach der Hälfte kommt dann die erste geheime Story aus Anis Kindheit heraus. Ehrlich gesagt hatte ich bereits geahnt, dass ihr so etwas in der Art zugestoßen sein könnte und war von dem her nicht sonderlich überrascht. Vielmehr schockiert hat mich der Umgang der Eltern mit diesem Erlebnis von Ani, sodass ich mich während des Lesens die ganze Zeit aufgeregt habe.

Zwischendurch verliert die Geschichte immer wieder ihren roten Faden, und es entstehen viele Einzelfäden, deren Zusammenhang erst ganz am Ende aufgeklärt wird. Während des Lesens wirkten die Ereignisse auf mich meist willkürlich gewählt und daher manchmal etwas verwirrend. Zwar werden sie zum Ende hin nocheinmal relevant, jedoch hätte man diese relevanten Informationen auf geschickter verpacken können, statt sie einfach zusammenhangslos kurz einzuwerfen. 

Zudem wird gleichzeitig in der Gegenwart und der Vergangenheit erzählt, was teilweise ziemliche Gedankensprünge erfordert.
Die Rückblicke auf Anis Kindheit sind die einzigen Kapitel gewesen, die mich das Buch immer haben weiterlesen lassen. Sie sind, im Gegensatz zur Gegenwart, mit recht spannenden Inhalten gefüllt und beinhalten auch eine DEUTLICH sympathischere Ani, als die die sie heute ist.

Die "Sache"die Ani passiert ist, von der bereits seit Beginn des Buches geredet wird, die aber nie erklärt wird, klärt sich dann in den letzten 100 Seiten doch noch auf und ist für mich ehrlich gesagt ein bisschen an den Haaren herbeigezogen. Die Person, die in die "Sache" involviert ist wurde vorher im Buch ein oder maximal zweimal kurz erwähnt und ist für mich viel zu unwichtig gewesen um plötzlich eine so große Rolle zu spielen.

Das Ende habe ich tatsächlich vorher genau so erraten und war daher überhaupt nicht überrascht. 
Ani hatte wenigstens mal EINEN starken Moment im Buch...immerhin.
 Insgesamt ist es ein offenes Ende, was mir meist die unliebsten Enden sind. Bei ihnen habe ich immer das Gefühl, dass die Geschichte noch gar nicht wirklich abgeschlossen ist.




Mit der Protagonistin und vor allem mit den Entscheidungen die sie trifft bin ich bis zum Ende hin nicht warm geworden. 
Die Rückblicke in die Vergangenheit waren spannend, dafür zogen sich die Gegenwartspassagen umso mehr in die Länge. 
Oft war ich wütend über die Entscheidungen der Figuren und der allgemeinen Ignoranz die überall zu herrschen scheint.
Insgesamt war das Buch zwar gut lesbar und an einigen Stellen auch recht interessant, aber zu oft musste ich mich über Handlungen aufregen und zu unsympathisch war mir der Hauptcharakter.
Tatsächlich erinnert das Buch wirklich sehr stark an Gone Girl und wem das gefallen hat, der sollte Ich.Bin.So.Glücklich auf jeden Fall einmal eine Chance geben.
Alternativ kann man sich auch den Film ansehen, dessen Rechte bereits von Reese Witherspoon als Regisseurin gekauft wurden.


  
2/5 Bookmarks




...an den Egmont Ink Verlag und Lovelybooks für dieses Rezensionsexemplar!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen