[Rezension] 54 Minuten - Marieke Nijkamp

Einzelband ○ Broschiert 14,99€ ○ Fischerverlag ○ 336 Seiten


54 Minuten, die alles zerstören
Es passiert nicht viel im verschlafenen Opportunity, Alabama. Wie immer hält die Direktorin in der Aula der Highschool ihre Begrüßungsrede zum neuen Schulhalbjahr. Es ist dieselbe Ansprache wie in jedem Schulhalbjahr. Währenddessen sind zwei Schüler in das Büro der Schulleitung geschlichen, um Akten zu lesen. Draußen auf dem Sportgelände trainieren fünf Schüler und ihr Coach auf der Laufbahn für die neue Leichtathletiksaison. Wie immer ist die Rede der Dirketorin exakt um zehn Uhr zu Ende. Aber heute ist alles anders.
Als Schüler und Lehrer die Aula verlassen wollen, kann man die Türen nicht mehr öffnen. Einer beginnt zu schießen. 
Tyler greift seine Schule an und macht alle fertig, die ihm unrecht getan haben. 
Aus der Sicht von vier Jugendlichen entfaltet sich der Amoklauf, bis die letzte Kugel verschossen ist.



Der Einstieg in das Buch fiel mir nicht ganz leicht, da der Leser bereits auf den ersten Seiten ein wenig mit den verschiedenen Perspektiven der Protagonisten erschlagen wird, denn diese wechseln mindestens alle 5-10 Seiten.
Dennoch hatte ich nach ein paar Kapiteln raus wer wer ist und wie wer mit wem im Zusammenhang steht. Dieses "selbst Schlüsse ziehen" fand ich teilweise sogar noch spannender, als wenn man mir anhand eines Glossars direkt auf die Nase gebunden worden wäre, wie wer zu wem steht.

Die gesamte Handlung spielt sich innerhalb von 54 Minuten ab. Innerhalb dieser Zeit verfolgen wir verschiedene Situationen des Amoklaufs aus dem Blickwinkel von 6 unterschiedlichen Charakteren.
Jeder der Charakter ist von Prinzip her eine ganz andere Figur, jedoch hat meiner Meinung nach der Schreibstil im Wechsel der Erzählungen nicht ganz so viel variiert, sodass man häufiger auch mal Charaktere verwechselt hat.

Ein paar der Handlungsstränge, wie zum Beispiel die spontane und irgendwie unnötige Mini-Lovestory, haben mir nicht ganz so gut gefallen. Dafür gleichen dann aber auch andere "tolle" Szenen aus, wie zum Beispiel endlich einmal eine realistische Darstellung des Selbsterhaltungstriebs, der eben nicht nonexistent ist, wie alle Superhelden Filme in denen der Held sich für das Allgemeinwohl opfert, uns das weis machen wollen.

An sich hat mir der Schreibstil allerdings sehr gut gefallen. Er ist nämlich ziemlich flott und ich habe mich als Leser ziemlich mitgerissen gefühlt, besonders weil die Perspektive häufig dann wechselt, wenn es gerade spannend wurde. Ein sehr einfaches und doch so wirkungsvolles taktisches Mittel!


Innerhalb eines Tages habe ich das Buch verschlungen und war gleichzeitig fasziniert und entsetzt von der Realitätsnähe dieser Situation. Die Autorin schafft es tatsächlich dem Leser ein sehr beklemmendes Gefühl zu geben und obwohl der Ausgang doch klar zu sein scheint, wendet sich das Blatt doch immer mal wieder so, dass doch nicht mehr alles so eindeutig scheint. 


Ein Buch mit Sog Wirkung, das um das gleiche Maß faszinierend wie erschütternd ist.
Das Thema Amoklauf wird unglaublich realistisch thematisiert und hinterlässt einen mit einem leicht beklemmenden, nachdenklichen Gefühl.
Ein Buch, das ich jedem mit etwas Interesse für das Thema unbedingt weiterempfehlen möchte!



4/5 Bookmarks


...an den Fischer Verlag und Lovelybooks für dieses Rezensionsexemplar!


Kommentare:

  1. Hallo. :)

    Du hast da eine wirkliche schöne Rezension geschrieben! Auf dieses Buch habe ich schon wirklich lange einen Blick geworfen und das Thema reizt mich schon sehr. Früher oder später werde ich es mir definitiv zu legen und mal schauen wie es mir so gefallen wird. :)

    Ganz liebe Grüße x
    Sara

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke dir! :) Das solltest du auf jeden Fall! Ist auch ein Buch das man relativ schnell lesen kann, sodass es, selbst wenn es nicht gefällt, dich auf jeden Fall nicht lange aufhält haha :D Mich hat es definitiv positiv überrascht :)

      Löschen